Wenn wir uns auch nicht treffen können – wir können voneinander lesen!

7-Wochen-ohne…Pessimismus – Zuversicht

6. Woche:
„Klopfet an, so wird euch aufgetan!“ Matthäus 7, 7-11

Auch an dieser Stelle und auf diese Art und Weise sind wir zusammen im Namen Gottes, der für uns sorgt wie ein Vater und eine Mutter,

im Namen Jesu, der mit offenen Ohren, Augen und Händen durch die Welt gegangen ist (und der uns darin zum Vorbild geworden ist)
und im Namen der Heiligen Geistkraft, die von Gott alleine kommt und uns immer wieder zu beflügeln vermag.
Amen.

Hand auf´s Herz:
Wie hat es geklappt mit dem Verzicht auf Schwarzseherei in der vergangenen Woche – oder hast Du Dich etwa anstecken lassen von den Pessimisten um Dich/uns herum?
Ich hoffe, allen, die das hier lesen geht es gut.
Und wieder ist mir eine Gänsehaut hoch und runter gelaufen als ich das neue Thema in den Blick genommen habe….Es geht ums Anklopfen, ums Bitten…
Aber lesen wir erst einmal in Ruhe den Bibeltext, der uns für die kommende Woche beschäftigen soll:

Matthäus 7, 7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 9 Oder ist ein Mensch unter euch, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? 10 Oder der ihm, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? 11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Zum Hintergrund
Ein Abschnitt aus der „Bergpredigt“, in der Jesus von Nazaret seine Lehre verkündet. Den ihm auf den Berg gefolgten Jüngern legt Jesus den in der Tora offenbarten Willen Gottes neu aus. Die Bergpredigt hat als jüdische Tora-Auslegung das Christentum sowie auch nichtchristliche Denker und andere Religionen beeinflusst. Der Verfasser unterstrich mit der Plazierung dieser Szene die grundsätzliche Bedeutung seiner Lehre durch einen typologischen Vergleich mit dem Berg Sinai: Dort empfing Moses nach Exodus 19 von Gott die Tora, die er den Israeliten als Gottes Willen mündlich weitergab. So wird Jesus hier als der Vertreter dieses Gotteswillens Mose gleichgestellt und seine berufenen 12 Jünger als Vertreter der Zwölf Stämme Israels, also des ganzen erwählten Gottesvolks dargestellt. Die Bergpredigt ist aber keine neue Tora, sondern deren endgültige Auslegung.
Hast Du schon einmal an eine Türe geklopft – und niemand hat geöffnet?
Hast Du schon einmal jemanden angerufen – und er/sie ist nicht drangegangen?
Dass in dem einen wie dem anderen Fall die Verbindung nicht zustande gekommen ist, kann verschiedene Gründe haben:
Hinter der Türe ist niemand. Also kann auch keiner öffnen. Oder Du hast zu zaghaft geklopft. Oder der, der hinter der Türe ist, will dir nicht aufmachen – aus welchem Grund auch immer.
Beim unerwiderten Anruf verhält es sich genauso: Im Moment kann keiner drangehen, oder man hat Deine Nummer erkannt und möchte nicht mit Dir sprechen. Es kann aber auch sein, dass der Mensch, den Du erreichen möchtest gerade an einem Ort ist, an dem er keinen Empfang hat, also gar nicht merkt, dass Du versuchst ihn zu erreichen. Ja, solche Orte gibt es in Deutschland ...auch in unserem Gemeindegebiet 😊

Zurück bleibt auf jeden Fall ein blödes Gefühl! Du hast Dein Ziel nicht erreicht, weißt zudem nicht, was der Grund dafür ist, fängst vielleicht an zu grübeln, warum und wieso. Eventuell entmutigt Dich das so, dass Du es später nicht noch mal probierst.
Das aber ist falsch – sagt Jesus. In seiner Rede ermuntert er, anzuklopfen. Wenn es sein muss auch zwei- oder dreimal – weil es sich lohnt!
Und vor allem sollen wir bitten…- und das ist doch so verdammt schwer!
Im Moment fordern wir gerade Menschen auf, uns um Hilfe zu bitten: um Hilfe beim Einkaufen beispielsweise. Dabei wird eines deutlich: Menschen bitten nicht gerne andere um etwas.
Wann hast Du zuletzt einen anderen/eine andere um etwas gebeten?
Und: Wann hat Dich jemand zuletzt um Hilfe gebeten?
Wetten, dass Du auf die 2. Frage schneller eine Antwort geben konntest!
Auch ich mache im Moment die Erfahrung, dass Menschen lieber Hilfe anbieten und gewähren als dass sie sie erbitten. Gerade heute habe ich mit einer Dame gesprochen, die sich gefreut hat, dass sie am Wochenende einen Brief mit der Sonntagsandacht erhielt, da sie keinen Zugriff auf die Homepage der Gemeinde im Internet hat. Aber bei dem Dank dafür blieb es nicht – natürlich bot sie sofort ihre Hilfe an: „Wenn ich nächstes Wochenende auch ein paar Briefe verteilen kann, dann mache ich das selbstverständlich gerne!“
Ja, wir nehmen nicht gerne Hilfe an, und noch weniger sprechen wir eine Bitte oder einen Wunsch direkt aus. Woran liegt das? Ich denke, dass man Angst hat, seine Bedürftigkeit zu zeigen und dann vor dem anderen als schwach dazustehen. Aber jede, die schon einmal um Hilfe gefragt wurde und dann auch Hilfe gewähren konnte, die weiß, dass es hier um eine sogenannte „win-win-Situation“ geht: beide gewinnen: der Bittende und der Geber.
Aber, liebe Menschen, bei Jesu Aufforderung geht es nicht bloß um das zwischenmenschliche Bitten und Helfen:
Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Darf man, darf ich, darfst Du Gott um alles bitten?
Meine impulsive 1. Antwort auf diese Frage lautet: „Nein!“ Etwas, was ich selbst machen kann/sollte/muss, das darf ich von Gott einfach nicht erbitten!
Mir fällt als Beispiel dabei immer das Beten auf dem Schulklo ein: Eine Arbeit steht kurz bevor, eben noch mal auf Toilette und dann geht es los. Auf der Toilette: Ein Stoßgebet: „Bitte, lieber Gott, gib`, dass ich eine gute Note schaffe!“
Ich zeige Gott, dass ich in diesem Moment schwach bin. Ja, ich habe wirklich gut aufgepasst in den letzten Wochen und auch viel gelernt. Ich habe also meine Pflicht getan – aber jetzt fühle ich mich ganz klein und leer….und bitte Gott schlichtweg, mir beizustehen. Ich weiß ja selbst, dass ich allein diese Arbeit schreiben muss, aber Gott kann mich mental stärken. Ich rechne mit seiner guten und stärkenden Begleitung – wie auch in anderen Lebenssituationen. Das ist also kein abergläubiges Geschwafel, sondern einfach eine gute Standortbestimmung: „Ich stehe unter Gottes Schutz!“ – auch hier auf der Schultoilette.
Worum oder auch wo würdest Du Gott nie bitten? Warum nicht?
Wie auch im zwischenmenschlichen Bereich: für die Kommunikation mit Gott gilt auch: je deutlicher ich bin, desto besser kommt meine Bitte/mein Wunsch/mein Anliegen beim anderen an.
Heute habe ich einen kleinen Cartoon (von Mario Lars) entdeckt im Netz – ich weiß noch nicht, ob ich ihn hier zeigen darf, deshalb beschreibe ich das Bild. Es geht um das Bitten und Wünschen zwischen Mann und Frau: Beide sind in einem Autohaus – auf dem Bild: Der Verkäufer, Die Frau und der Mann. Der Mann liegt quer auf der Motorhaube eines schicken, anthrazitfarbenen Sportwagens. Der Verkäufer stellt die Frau fragend fest: „Sie wollen ihrem Mann einen Herzenswunsch erfüllen?“ und die Frau entgegnet: „Ja, haben sie Socken?“
Ich lerne: Ich muss selbst ein Gespür dafür haben, was ich wirklich brauche. Dann darf, nein: muss ich es auch deutlich sagen oder zeigen, denn ich kann mir oft meine Wünsche eben nicht selbst erfüllen. Will ich auch gar nicht. Manchmal habe ich ja auch Erwartungen. Wenn sie unausgesprochen bleiben, dann darf ich mich nicht wundern, wenn sie unerfüllt bleiben.
Jesus sagt uns: Wenn ihr wollt, dass die Tür aufgemacht wird, dann klopft an!
Und dann – habe ich eben immer noch keine Garantie, dass es nach meiner Nase geht. (hier fällt mir übrigens der Spruch ein „Kinder, die was wollen…“)
Gibt es Wünsche in Dir, die Du gerne einmal aussprechen würdest?
Was hindert Dich?
Probiere es doch schon mal im Gebet, diese bisher unausgesprochenen Dinge vor Gott auszusprechen! Und lass nicht nach. Mit einmal Beten ist nicht alles getan. Jesus ermutigt dich, dranzubleiben. Es lohnt sich…häufig gehen Türen ja auch erst mit zeitlicher Verzögerung auf. Diese Erfahrung haben wir wohl alle schon mal gemacht…und uns dann gewundert, weil das Ergebnis uns dann überrascht hat. Positiv überrascht oft.
An dieser Stelle teile ich gerne mit Euch meinen Konfi-Spruch: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber Gott lenkt seinen Schritt.!
Oft habe ich schon in meinem Leben meine Pläne und Wünsche durchkreuzt gesehen. Scheinbar! Es ging nicht nach meinem Geschmack. Aber später durfte ich oft erleben: Gott hat sein Kreuz an meinem Namen schon gemacht: mit dem Kreuz auf Golgatha hat er mir den Weg freigemacht zum Leben.
Es kam vielleicht anders als ich es mir erdacht, dafür aber wunderbar und geschenkt. Ich hatte Hilfe erbeten und einen Wunsch geäußert und mein Gott hat mir gegeben, wenn auch manches Mal auf andere Art.

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt damit ich lebe - hallelujah
Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst damit ich frei bin - hallelujah
Refrain:
Ehre sei Gott auf der Erde - in allen Straßen und Häusern
Die Menschen werden singen bis das Lied zu Himmel steigt
(3x) Ehre sei Gott und den Menschen Frieden
Frieden auf Erden

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle -hallelujah
Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede - hallelujah
Refrain

3. Ich lobe meinen Gott, der mir die Tränen trocknet, damit ich lache - hallelujah
Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme - halleluja
Refrain

Das alles kann passieren, wenn ich mich traue, mich im Gebet vor Gott zu öffnen – manchmal auch ganz ohne Worte:
Gott holt mich aus der Tiefe meine Angst und Verzweiflung, aus Not und Gefangenschaft und macht mich frei.
Gott zeigt mir den Weg, den ich gehen kann und schenkt mir Worte und Sprache, damit ich Gehör finden.
Gott tröstet und vertreibt meine Angst – die Freude hat wieder Raum!

Also, liebe Menschen: Betet ohne Unterlass. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne, dass ein Gebet eure Lippen verlassen hat. Und da gibt es ja viele Möglichkeiten, etwas zu formulieren in
• Bitte + Fürbitte
• Dank
• Lob
• und auch Klage
Das Wichtigste: Lasst den Kontakt mit Gott nicht abreißen!
Ruft ihn an.
Manchmal geht er nicht sofort dran. Meistens spricht er dann gerade auf der anderen Leitung. Aber er ruft sicherlich zurück. Ganz bestimmt!
Gute Gelegenheit: jeden Tag um 12 oder um 19 Uhr in (im Moment ja leider nur virtuellen) Gemeinschaft mit vielen anderen.

Gott segne und behüte Euch!

Mit lieben Grüßen von der Kreuzkirche
Heike Gabernig

Gemeindebüro

Telefon: 02150 2002
Nierster Str. 56
40668 Meerbusch
Öffnungszeiten:
Mo - Do. 9-12 Uhr
Do. 15-17 Uhr
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

EVK Lank

  • Lank-Latum
  • Ilverich
  • Langst-Kierst
  • Nierst
  • Ossum-Bösinghoven
  • Strümp

Kreuzkirche

Nierster Straße 56
40668 Meerbusch-Lank

Küsterin
Beate Kasprowicz

Pfarrerin
Heike Gabernig

Versöhnungskirche

Mönkesweg 22
40670 Meerbusch-Strümp

Küster
Hansgeorg Herberth

Pfarrerin
Karin Schwark