Wenn wir uns auch nicht treffen können – wir können voneinander lesen!

7-Wochen-ohne…Pessimismus – Zuversicht

7. Woche: „Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin“ (Römer 8, 24-28)

Gott segne uns –
Unser Tun und Lassen –
Unser Reden und Schweigen.
Amen.

Erinnert Ihr Euch noch, wie alles begann am Aschermittwoch vor 7 Wochen?
Wir schrieben den 26. Februar – und „Corona“ war den meisten noch ein Fremdwort.
Gemeinsam hörten wir bei der Begrüßung auf ein Gedicht der Poetin
Mascha Kaleko: Rezept
Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein. Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst.
Richte dich ein. Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da, sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts. Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät, geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl. Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet im grossen Plan.
Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Wie anders lesen/hören wir heute diese Worte…Worte über Angst und Verlust, über Ressourcen und Mittel die uns zum Leben zur Verfügung gestellt sind und darüber, wie lange sie reichen, über Vergänglichkeit und Glück, über Geschwisterlichkeit und ´Egoismus . Wie vieles aus diesen Worten wir doch momentan erleben: die Stuben sind gefegt (für den Frühjahrsputz hatten wir alle Zeit der Welt) und den Nachbarn grüßen wir aus der Ferne. Die Pläne für das nahe Osterfest, die wir einst machten, können so nicht umgesetzt werden, denn es herrschen Kontakteinschränkungen…und dann in diese fast 1:1 Situationsbeschreibungen die Anweisung:

Sei klug und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet im grossen Plan.
Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Ja, der Angstmacherei ist genug! Hoffnung ist angesagt! Keine laute und lärmende – wohl aber eine nährende, die Kraft und Substanz zu schenken vermag.
Halte Dich an Wunder! Tun das nicht nur Spinner und weltfremde Gestalten?
Nein: sich an Wunder halten ist nichts anderes als Hoffnung zu haben.
Hast Du Hoffnung? Bist Du eine Hoffende/ein Hoffender? Und: Was nährt Deine Hoffnung? Vielleicht ja die Erinnerung an Momente in Deinem Leben, in denen sich Hoffnung erfüllt hat? Welche sind das?

Schreibe das Wort „HOFFNUNG“ senkrecht auf ein DinA 4-Blatt – Notiere zu jedem Buchstaben eine Erfahrung erfüllter Hoffnung.

Kommen wir nun zum Bibeltext für das letzte Mal „7-Wochen-ohne…“in 2020 – aber nicht für das letzte Mal ZUVERSICHT in 2020!!!
Der Apostel Paulus hat diese Zeilen in seinem Brief an die Christen in Rom geschrieben. Mit diesem Brief wollte er sich den ihm fremden Menschen mit seinem Glauben bekanntmachen. (A propos: Hast Du Dich schon einmal mit Deiner Hoffnung jemandem Fremden gegenüber bekannt gemacht? – Sehr mutig, oder?)

Römer 8
24 Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? 25 Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. 26 Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. 27 Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt für die Heiligen ein, wie Gott es will. 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

Mit anderen Worten: Hoffnung hat etwas zu tun mit Nicht Sehen und Nicht Reden. Wir finden dafür oft keine Worte, weil es sie eben auch gar nicht gibt. Aber das muss uns – anders als im sonstigen Leben – nicht ängstigen. Wir sind keine looser, die es „nicht auf die Kette kriegen“ und kläglich versagen, sondern das alles gehört zu Gottes Plan mit uns. Damit wir uns eben nicht nur immer auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn vertrauen und hoffen.
Gefallen hat mir in diesem Zusammenhang ein Wort, das ich las:
„Die Sehnsucht, die Hoffnung eines Menschen ist immer mehr, als sich ins einem Leben verwirklichen lässt. Sehnsucht und Hoffnung sind geistlicher Motor auf Erden, um in Richtung Ewigkeit voranzukommen – und einen Hauch von Seligkeit und hier schon um die Nase wehen zu lassen.“
In unserer Glaubensgeschichte gab es immer wieder Menschen, die uns so zu Vorbildern im Hoffen geworden sind.
Da ist also Paulus zu nennen. Er setzte sein eigenes Leben ein, weil er ein durch und durch Hoffender war.
Ich erinnere an Dietrich Bonhoeffer, der in den Tod gegangen ist – getragen von der Hoffnung, die er noch angesichts des nahen Todes weiterzugeben vermochte. Z.B: in diesen wunderbaren Worten:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Lass uns doch an dieser Stelle das Lied mit dem Text Bonhoeffers singen:
Evangelisches Gesangbuch 652

Ich möchte Dich an etwas ganz Wichtiges erinnern.
Leider können wir jetzt nicht in der Kirche zusammen sein.

Stell Dir kurz vor, wir wären dort. Ich gieße Wasser aus der kleinen Kanne ins Taufbecken, das mitten im Kreis steht. Du selbst stelle doch eine kleine Schüssel oder Dessertschale mit frischem Wasser vor Dich. Und lies dazu folgende Worte:

Wir gießen Wasser ein -
Wasser, aus dem alles Leben stammt,
und erinnern uns:
Gott hat uns das Leben geschenkt.

Wir gießen Wasser ein -
Wasser, das unseren Durst löscht,
und erinnern uns:
Gott gibt uns zum Leben, was wir brauchen.

Wir gießen Wasser ein -
Wasser, das im Unwetter Not und Verderben bringen kann,
und erinnern uns:
Gott ist mit uns in allen Stürmen unseres Lebens.

Wir gießen Wasser ein -
Wasser, das reinigt und sauber macht,
und erinnern uns:
Gott schenkt uns in all unserem Versagen
wieder einen Neuanfang.

Wir gießen Wasser ein -
Wasser, das aus vielen Tropfen besteht,
und erinnern uns:
Gott hat uns hineingestellt in eine große Gemeinschaft.

Ich möchte Dich daran erinnern, dass DU getauft bist. In Deiner Taufe hat Gott ein für alle mal „Ja“ zu Dir und Deinem Leben gesagt.
Auf die Ferne zeichne ich Dir ein Kreuz mit dem Taufwasser auf Deine Stirn –
In diesem Moment kannst Du das in Gedanken oder real mit dem Wasser vor Dir selbst aufzeichnen.
Spüre diesem Zeichen der Hoffnung nach. Es will Dich stärken und Dir Mut machen. Es will Deine berechtigte Hoffnung nähren. Jesus Christus ist auch für Dich gestorben und wieder auferstanden – für Deine Hoffnung gegen allen Augenschein. Du bist getauft. Du bist mit Hoffnung auf Ewigkeit in beschenkt. Erinnere Dich an die Momente, in denen Gott Deinen Durst nach Leben gestillt hat, als er neben Dir war in so manchem Sturm Deines Lebens (mit auf dem Boot), als er Dich nach einem Fall wieder aufgerichtet hat. Vergiss nie: Du bist nicht allein, sondern dank der Hoffnung in eine große und weltweite Gemeinschaft gestellt.
In Gedanken nehmen wir einander in den Arm und sprechen uns gegenseitig den Segen unseres Gottes zu: Gott segne Dich und behüte Dich!
Und wir singen: Vergiss es nie
1. Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, 
und dass du atmest, kein Entschluss von dir. 
Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, 
und dass du atmest, sein Geschenk an dich. 



Refrain: 

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, 
ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. 
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. 
Du bist du... Das ist der Clou, ja der Clou: Ja, du bist du.


2. Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du, 
und niemand lächelt so, wie du's grad tust. 
Vergiss es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du, 
und niemand hat je, was du weißt, gewusst. 

Refrain 

3.Vergiss es nie: Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, 
und solche Augen hast alleine du. 
Vergiss es nie: Du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld, 
denn du kannst leben! Niemand lebt wie du. 



Refrain

Zum Schluss als Ostergeschenk noch ein Gedicht von Mascha Kaleko um die Osterfreude zu nähren: Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen Und das es regnet, hagelt, friert und schneit. Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit, Wenn Heckenrosen und Holunder blühen. - Daß Amseln flöten und dass Immen summen, dass Mücken stechen und dass Brummer brummen. Daß rote Luftballons ins blaue steigen. Daß Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht Und dass die Sonne täglich neu aufgeht. Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, Gefällt mir wohl, da steckt ein Sinn dahinter, Auch wenn die Neunmalklugen ihn nicht sehn. Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn! Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter: Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt. An solchem Tag erklettert man die Leiter, Die von der Erde in den Himmel führt. Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben, - weil er sich selber liebt- den Nächsten lieben. Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne Und an das Wunder niemals ganz gewöhne. Daß alles so erstaunlich bleibt, und neu! Ich freu mich, dass ich…Dass ich mich freu.

Gesegnete Ostern wünsche ich Euch und Euren Familien! Heike Gabernig

Gemeindebüro

Telefon: 02150 2002
Nierster Str. 56
40668 Meerbusch
Öffnungszeiten:
Mo - Do. 9-12 Uhr
Do. 15-17 Uhr
gemeindebuero@
evangelisch-lank.de

Kreuzkirche

Nierster Straße 56
40668 Meerbusch-Lank

Küsterin
Beate Kasprowicz

Pfarrerin
Heike Gabernig

Versöhnungskirche

Mönkesweg 22
40670 Meerbusch-Strümp

Küster
Hansgeorg Herberth

Pfarrerin
Karin Schwark